SYMPHYSE

Die Symphyse ist die knorpelige Knochenverbindung zwischen den beiden Schambeinen, auch Schambeinfuge genannt. Auch in diesem Bereich können Geburtsverletzungen auftreten.

 

Ursachen und Symptome:

Während der Schwangerschaft wird das Schambein unter dem Einfluss weiblicher Geschlechtshormone gelockert. Dies stellt einen normalen Vorgang dar, der aber in seltenen Fällen verstärkt auftreten und Beschwerden verursachen kann.

Auch eine schwere Geburt durch z.B. ein sehr großes Kind oder ein sehr enges Becken kann den Beckenring so stark belasten, dass es zu einer Schädigung der Schambeinfuge kommt. Unterschieden wird zwischen der leichten Form einer Schambeinlockerung und der schweren Form eines Schambeinfugenrisses.

  • Schambeindruckschmerz
  • Schmerzen beim Gehen
  • "Entengang"
  • Bein kann in Rückenlage nicht gehoben werden

Typisch sind z.B. Beschwerden beim Gehen. Frauen, die eine Symphysenschädigung haben, fallen durch einen "Watschelgang" auf und sind nicht in der Lage, auf einem Bein zu stehen. Sie klagen über Schmerzen bei jeder Bewegung. Das Abtasten der Schambeingegend verursacht Schmerzen, die in Oberschenkel und Kreuzbein ausstrahlen. Typisch ist auch, dass in Rückenlage das Bein aus eigener Kraft nicht hochgehalten werden kann. Auch das Drehen von der Rücken- in die Seitenlage ist nicht möglich.

 

Diagnostik und Therapie:

 Auf dem Röntgenbild sind das Ausmaß der Spaltbildung und eventuell eine ungleichmäßige Stellung der Schambeine zueinander zu erkennen.

Konventionelle Therapie:

Ist das genaue Ausmaß der Schambeinschädigung bekannt, wird in der Regel abwartend konservativ behandelt. Das operative Verschließen der Schambeinfuge mit Draht ist nicht mehr üblich, weil es sehr belastend und der konservativen Therapie nicht überlegen ist. Wichtig sind strenge Bettruhe und ausreichende Hilfe in allen Verrichtungen des täglichen Lebens. Außerdem kann ein so genannter Symphysengürtel angelegt werden, der den Beckenring stützt und zusammenhält. Alternativ steht ein Schlaufenband zur Verfügung, der um das Becken gelegt werden kann und es im Liegen hält und stützt. Der Heilungsprozess ist sehr langwierig, aber meist erfolgreich. Um dauerhafte Schäden zu vermeiden, ist es wichtig, nicht zu früh aufzustehen und das Schambein zu belasten.

 

Symphyse während der Schwangerschaft

Die beiden Hälften Ihres Beckens sind an der Vorderseite durch ein knorpeliges Gelenk miteinander verbunden, die sog. Schambeinfuge. Diese Verbindung wird von eng miteinander verflochtenen Bändern verstärkt, wodurch hier unter normalen Umständen nur sehr wenig Bewegung stattfindet. Um den Weg ihres Babys durch ihr Becken so leicht wie möglich zu machen, produziert der Körper das Hormon Relaxin, welches die Bänder in ihrem Becken flexibler macht. Dies führt dazu, dass sich die Bänder während oder kurz nach der Schwangerschaft mehr bewegen als sonst.

Wissenschaftler sind sich nicht ganz sicher, was eine Symphysenlockerung auslöst, aber man ist allgemein der Ansicht, dass die Schmerzen und Entzündungen der Schambeinfuge dadurch entstehen, dass eine Seite des Beckens sich beim Gehen oder Bewegen der Beine mehr bewegt als die andere. Röntgen- oder Ultraschallbilder helfen nicht bei der Diagnose, da auf ihnen diese Rotation nicht abgebildet wird.  Viele Frauen mit Symphysenlockerung verspüren auch dann erhebliche Schmerzen, wenn die Fuge nicht deutlich gespalten ist - die Stärke der Schmerzen hängt also nicht vom Grad der Spaltung ab.

Eine verwandte Form ist die Diastase der Symphysis, bei der sich die Schambeinfuge lockert und so ein ungewöhnlich weiter Abstand zwischen den beiden Beckenknochen entsteht. Normalerweise beträgt dieser Abstand bei nichtschwangeren Frauen 4-5 Millimeter und  vergrößert sich bei einer Schwangerschaft um 2-3 Millimeter. Ab einem Abstand von 10 Millimetern wird Diastase diagnostiziert. Diese Form tritt sehr selten auf und kann nur durch Röntgen festgestellt werden.

In welcher Zeit tritt die Diastase der Symphyse auf?

Sie kann gegen Ende des ersten Drittels der Schwangerschaft oder nach der Entbindung auftreten. Viele Frauen bemerken die Symptome erstmals gegen Mitte der Schwangerschaft. Wenn Sie bei Ihrer ersten Schwangerschaft Probleme damit hatten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie auch bei der nächsten Schwangerschaft wieder auftauchen. Es kann auch passieren, dass sich die Symptome früher bemerkbar machen und sich schneller verstärken, weshalb Sie sich so schnell wie möglich behandeln lassen sollten. Lassen Sie ausserdem die Symptome nach einer Schwangerschaft erst einmal abklingen, bevor Sie versuchen, ein weiteres Kind zu bekommen.

Welche Symptome gibt es?

Schmerzen im Schambereich und der Leistengegend sind die häufigsten Symptome. Außerdem ist es möglich, dass Sie unter Rückenschmerzen, Beckenschmerzen oder Hüftschmerzen leiden, oder Sie verspüren eine Art Reiben oder Knischen in der Schamgegend. Die Schmerzen können bis in die Innenseite der Oberschenkel oder zwischen Ihre Beine wandern. Meist verstärken sich die Beschwerden, wenn Sie Ihre Beine spreizen, gehen, Treppen steigen oder sich im Bett bewegen. Nachts sind sie oft schlimmer und halten Sie womöglich vom Schlafen ab. Besonders der nächtliche Gang zur Toilette kann zu einer schmerzhaften Angelegenheit werden.

Wie werden die Probleme mit der Symphyse diagnostiziert?

Jede Frauenärztin/Frauenarzt kennt die Probleme mit der Symphyse und kann diese auch diagnostizieren. Ihr Arzt oder Ihre Hebamme sollte Sie dann an eine Physiotherapeutin überweisen, die Erfahrung mit der Behandlung Ihrer Beschwerden hat. Die Diagnose wird aufgrund einer Kombination aus Ihrer Symptombeschreibung und einer Reihe von Tests gestellt. Diese Tests untersuchen die Stabilität und die Bewegung Ihrer Beckengelenke sowie die Schmerzen, die auftreten.

Wie wird behandelt?

Ein orthopädischer Stützgürtel für Ihr Becken lindert die Schmerzen meist sehr schnell. Eventuell wird auch eine Mobilisation (die sanfte Form der Manipulation) der Hüfte, des Rückens oder des Beckens angewandt, um eine grundlegende Bewegungsstörung zu korrigieren. Ein großer Teil der Behandlung besteht aus Übungen, besonders für Bauch und Beckenbodenmuskeln. Sie helfen, die Stabilität Ihres Beckens und Ihres Rückens zu verbessern. Auch Wasseranwendungen können hilfreich sein.

Sie sollten sich außerdem beraten lassen, wie Sie Schmerzen bei alltäglichen Aktivitäten vermeiden können und wie die Entbindung für Sie leichter wird. Bei ausgeprägten Problemen mit der Symphyse muss die Art der Entbindung sehr genau besprochen werden (Spontangeburt oder Kaiserschnitt). Sprechen Sie deshalb mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme.

Andere Therapiemöglichkeiten, wie Osteopathie oder Chiropraktik können ebenfalls nützlich sein. Hierbei ist es jedoch unbedingt notwendig, dass Sie einen geprüften Facharzt aufsuchen, der Erfahrung mit der Behandlung von schwangeren Frauen hat.

Tipps zur Selbsthilfe

  • Ertragen Sie Schmerzen nicht um jeden Preis. Wenn eine Aktivität Schmerzen bereitet, dann vermeiden Sie diese. Wenn man dem Schmerz erlaubt, sich auszubreiten, dauert es womöglich sehr lange, bis er sich wieder beruhigt.
  • Bewegen Sie sich behutsam und regelmäßig. Sie werden den Effekt dieser Bewegung wahrscheinlich erst später am Tag oder beim Zubettgehen spüren.
  • Machen Sie regelmäßige Pausen, indem Sie sich gerade hinsetzen und Ihren Rücken dabei stützen.
  • Vermeiden Sie schweres Heben oder Schieben (besonders schwere Einkaufswagen können Schmerzen verursachen!)
  • Setzen Sie sich beim Anziehen von Slips oder Hosen. Ziehen Sie die Kleidung erst über die Füsse und stehen Sie dann auf, um sie hochzuziehen.
  • Nehmen Sie beim Treppensteigen eine Stufe nach der anderen. Steigen Sie zunächst mit Ihrem stärkerein Bein auf eine Stufe und ziehen Sie dann das andere Bein auf die gleiche Stufe nach. Verfahren Sie so mit jeder Stufe der Treppe.
  • Vermeiden Sie das Spreizen Ihrer Beine, etwa wenn Sie in oder aus einem Auto oder einer Badewanne steigen. Wenn das Spreizen der Beine unumgänglich ist, machen Sie es langsam und vorsichtig.
  • Vermeiden Sie möglichst Brustschwimmen, und seien Sie vorsichtig bei anderen Schwimmzügen. Oft fühlt es sich so an, als würden die Beschwerden beim Schwimmen nachlassen, doch können Sie dadurch noch schlimmer werden, sobald Sie aus dem Wasser steigen.
  • Regelmäßige Übungen für den Beckenboden und den Unterleib können die Belastung Ihres Beckens während der Schwangerschaft vermindern. Sprechen Sie dazu mit Ihrer Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs.

 

Wie schnell werden die Symphysen-Symptome nach der Geburt nachlassen?

Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass rund 60% der unter diesen Beschwerden leidenden Frauen einige Symptome auch nach der Entbindung noch spüren. Bei den meisten Frauen lassen sie dann schnell nach, und nur ein kleiner Prozentsatz hatte auch ein Jahr nach der Geburt noch Schmerzen. Sie sollten die Physiotherapie nach der Geburt fortsetzen und sich, wenn möglich, in den ersten Wochen Hilfe für die Betreuung des Babys holen. Bei einigen Frauen tauchen die Beschwerden jeden Monat kurz vor der Periode wieder auf, was durch Hormone, die einen ähnlichen Effekt wie Relaxin haben, ausgelöst wird.

 

Gürtel zur Stützung: